Das Auge des Bösen (Casa d'appuntamento)
- Italien, Frankreich, BRD | ca. 83 Min. | deutsche Fassung | 35mm [1.66:1]
- Regie: Ferdinando Merighi
- Musik: Bruno Nicolai
- Kamera: Mario Mancini, Gunter Otto
- Drehbuch: Paolo Daniele, Marius Mattei, Ferdinando Merighi, Robert H. Oliver, Dick Randall
- Darsteller: Anita Ekberg, Rosalba Neri, Peter Martell, Barbara Bouchet, Robert Sacchi...
Der Film beginnt mit einer Verfolgungsjagd, die mit einem Freitod vom Eiffelturm endet. Wer aber sich da nun herunterstürzte und warum, wird erst rückblickend aufgedröselt. Der Weg dorthin führt über schöne, über nackte, und auch über tote Leiber. Das erste Opfer findet sich ausgerechnet in der lieblichen Barbara Bouchet, die edelste Prostituierte im Stall der Anita Ekberg als Madame Colette. Der Mord an ihr ruft nicht nur die Polizei in Person von Bogart-Lookalike Robert Sacchi auf den Plan, sondern tritt auch eine Serie von weiteren Morden los. War ihr liebestrunkener Stammkunde der Täter? Bis zur Aufklärung des Falles werden Köpfe rollen - schöne, schuldige und auch rechtsprechende Häupter. Das Auge des Bösen begafft begierig die boshaften French Sex Murders (was für ein poetischer englischer Titel!), die Figuren fallen wie beim Schach eine nach der anderen...
Regisseur Ferdinando Merighi kredenzt dem geneigten Fan hier ein allerfeinstes Potpourri aus Sex und Gewalt, angesiedelt in den schummrigen Ecken von Paris zwischen Nachtclubs und Freudenhäusern. Hier gilt der Sleaze als chic, hier treffen sich finstere Gestalten in sinistrer Runde in halbdunklen Ecken. Neben Barbara Bouchet erfreuen Rosalba Neri, Evelyne Kraft und Puffmutter Anita Ekberg das Auge des schamlosen Voyeurs. In bester B-schundiger Giallo-Manier muss eine nach der anderen ihr unchristliches Leben lassen. Unser erster Verdächtiger ist Peter Martell, im Hinterzimmer treibt sich aber auch der um die Ecke glubschäugende Howard Vernon rum, der zu gerne nur dessen kriminelles Hirn für seine obskuren Experimente in Händen hätte. Dazu kloppen sich nebenher noch Gordon Mitchell, Mike Monti oder Dick Randall um ein wenig Platz im Rampenlicht.
Wenn schon räudig und von niederer Gesinnung, dann lieber geklotzt statt gekleckert, dachte sich Merighi wohl, als er Das Auge des Bösen auf seine Zuschauer niederschauen ließ. Nie sah das Pariser Nachtleben im Rotlichtbezirk schmandiger, aber auch nie bunter und geheimnisvoller aus. Hier werden an einer Ecke Träume wahr, die hinter der nächsten wieder zerplatzen. Untermalt wird dies alles noch von schwungvoller Musik aus der Feder des Maestro Bruno Nicolai, die das rauschhafte, lebendige und von Dekadenz gezeichnete Treiben im Vergnügungsviertel unterstreicht. Da möchte man glatt aufstehen, sich in die Leinwand stürzen, einfach tief in den Sündenpfuhl mit eintauchen.
Thomas Hortian
Sonntag, 25. Oktober 2026 15:00 / Einzelticket: 6 Euro / Tickets: Kommkino.de
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